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(46.)  Der Kurier des Todes

Die Anschläge häufen sich und in dieser Stadt geht das Gespenst Angst um. Beinahe jede Woche explodiert jetzt eine Bombe, ob Maklerbüro, Autowerkstadt, Nightclub, Dönerbude, Zeitungsredaktion oder Bordell. Zurück bleiben Tote, Verletzte, ein Haufen Müll und eine ratlose Polizei.

„ Herein. Herein! Die Tür ist offen.“
Ahnungslos betrat ich das Appartement, stutzte kurz, versuchte nicht zu offensiv auf die offenherzigen Blondine zu starren, unzweifelhaft eine Nutte der höheren Preisklasse. Sie öffnete eine Schublade und holte ein kleines Päckchen hervor.
„ Hier! Adresse steht drauf.“
Sie fixierte mich.
„Wer bist du eigentlich. Wo ist der alte Werner?“
„Keine Ahnung. Die Zentrale schickte mich hierhin. Das ist alles.“
Ich nahm das Päckchen, war überrascht über das beachtliche Gewicht und wollte gerade das Appartement verlassen.
„He, Süßer, bleib doch ein bisschen. Du bist so jung und knackig, nicht wie meine sonstigen Freier.“
Ich überschlug meine Barschaft, denn das die Dame es nicht ohne einen Obolus treiben würde, war mir klar.
„Für dich kostet es nur einen Hunderter, Süßer.“
Boah, mit viel Glück würde ich heute höchstens fünfzig Klicker machen.
Nee, da bin ich doch zu geizig, um alles und noch ein bisschen mehr für zehn Minuten Bum Bum raus zu schmeißen ……, andererseits fühlte ich mich geschmeichelt. Kurierfahrer sind ohne Bedeutung, Menschen zweiter Klasse, irgendwie unsichtbar, sie existieren gar nicht. Kommen, liefern, gehen. Sie müssen nur wie ein Computer funktionieren. Das hatte ich in den letzten drei Monaten gelernt.
Ich trabte die steile Treppe hinunter, mit leichtem Bedauern ……

Am frühen Abend hatte es wieder Bum gemacht. Die Nachrichten brachten es an erster Stelle. Ein Kino war in die Luft geflogen. Dieses Kino, ich stutzte, da bin ich doch heute morgen noch gewesen, hatte das Päckchen, das mir diese Nutte in die Hand gedrückt hatte, im Büro abgeliefert. Glück gehabt, dachte ich erleichtert und wartete auf die Fußballergebnisse. Nach den News kam der übliche Brennpunkt. Bei der Auflistung der Gräueltaten der letzten Wochen, wurde mir plötzlich ganz anders.
Verdammt! Die Tatorte, diese Adressen, kamen mir bekannt vor.
Hektisch suchte ich nach dem Fahrtenbuch. Schweiß tropfte auf die Unterlage, der Zeigefinger raste die Spalten herunter ….
Oh ja, oh nein, dort stand es geschrieben, schwarz auf weiß, bei acht Bomben Anschlägen war ich derjenige, der vorher am Tatort gewesen und vermutlich den Sprengstoff geliefert hatte.
Ich realisierte, dass ich die besagten Päckchen immer, wie soll ich sagen, bei merkwürdigen Adressen und zwielichtigen Typen abgeholt hatte. Wäschereien, Bordells, Kioske, drittklassige Restaurants.
Als die erste Aufregung sich legte, beschloss ich pragmatisch, nichts zu tun. Ich würde weiter als Kurier funktionieren und das Gehirn weit gehend ausschalten. Zur Polizei zu gehen? Mein Überlebenswillen war stärker. In der Nacht schlief ich gut.

Eine Woche später kam ein Anruf der Zentrale, ein Päckchen sei in einer Schneiderei abzuholen. Die gleiche Art, wieder gewichtiger als erwartet und es sollte in einer Kindertagesstätte ausgeliefert werden. Ich hielt das vermutlich mörderische Objekt in der Hand, vorsichtig wie eine Packung roher Eier, und schaltete mein Hirn wieder ein.
Der erste Gedanke, ich werfe es in den Fluss, dann kam mit Verzögerung die Erleuchtung. Es wäre das perfekte Verbrechen, wenn ….

Zunächst änderte ich die Adresse, dann lieferte ich es aus.
Eine Nobelvilla, die Haushälterin nahm das Päckchen in Empfang und versprach es es dem Hausherrn, der gerade nicht anwesend war, ins Büro zu legen.

Die Nachrichten am Abend brachten es an erster Stelle. Wieder ein Bombenattentat. Diesmal war die Villa eines Industriellen in die Luft geflogen, samt des Besitzers und Inventar. Rache ist süß, ich öffnete eine Flasche Schampus, okay nur Rotkäppchen Sekt, und dachte an dieses miese, jetzt tote Schwein, das mein Leben versaut, mich in den Ruin und fast zum Selbstmord getrieben hatte.
Als Kurierfahrer kündigte ich am nächsten Tag ….

(nächste Geschichte demnächst in diesem Theater)

 

 

 

 

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(45.)  Sex auf Rezept

Egon öffnete vorsichtig die Tür zur Arztpraxis. Warteschlange schon vor dem Tresen. Endlich an der Reihe, fragte ihn die Sprechstundenhilfe, es klang leicht genervt, was er denn auf dem Herzen hätte.
Er möchte den Doktor sehen! Wegen eines bestimmten Rezeptes, vielleicht? Die dralle Blonde mit dem Radarblick
deutete auf das Wartezimmer.
Er nickte schüchtern und nieste herzhaft.
„ Falls sie zwei Stunden Zeit haben, bitte treten sie ein.“

Es ist nur eines von vielen Gesetzen, wie sie immer zu Beginn eines neuen Jahres in Kraft treten. Doch es sorgte in deutschen Landen für Aufruhr. Die Arztpraxen konnten den Andrang in den ersten Tagen kaum bewältigen, in Bordells und Laufhäusern wurden Sonderschichten geschoben, die Belegschaft verdoppelt und das Gewerbe der Prostitution bekam ein ganz neues Ansehen. Sex auf Rezept schlug ein wie eine Bombe. Ein Puff in Hannover bot sofort Zehnerkarten an, der elfte Besuch gratis. Zweimal im Monat übernehmen jetzt die Krankenkassen die Kosten.
Allerdings gibt es auch hier nicht zu übersehende Unterschiede zwischen Kassen und Privatpatienten. Der Faktor Neid, „ ….. bei der AOK darfst du einmal ‚rüber rutschen, die Privaten werden von oben bis unten bedient “, so die am meisten gehörte Beschwerde.
Die Feministinnen liefen Sturm, diskriminierend sei dieses Gesetz, was wollt ihr eigentlich, hier werden jede Menge Arbeitsplätze geschaffen, argumentierten die Sozialdemokraten, die Christdemokraten sahen die Moral gefährdet und das Ende der Zivilisation nahen.

Nach drei Stunden Wartezeit saß Egon endlich vor dem Arzt.
In diesem Fall eine Ärztin. Die murmelte so etwas wie eine Begrüßung, kritzelte etwas auf ein Stück Papier und schob es Egon herüber. Der blickte verwundert auf das Rezept, auf die Ärztin und fragte schüchtern, was das denn solle?
„ Wie, ich habe ihnen drei Bordellbesuche aufgeschrieben. Mehr bewilligt die Versicherung im Vierteljahr nicht“, sagte die Ärztin und „ Auf Wiedersehen. Der Nächste, bitte!“
Egon blieb einfach sitzen.
„ Hören sie, ich habe seit einer Woche eine schwere Grippe mit Husten und Fieber. Vielleicht könnten sie mir ausnahmsweise in den Hals schauen? Ich brauche dringend Antibiotika ……..“

 

(nächste Geschichte „Kurier des Todes“ demnächst in diesem Theater)

 

 

(44.) Sheila

Der Besucher braucht einige Zeit um sich an das trübe, flackernde Licht in der Diskothek zu gewöhnen. Zwei in die Jahre gekommene Filipinas drehen sich träge auf einem kleinen wackeligen Podest. Sie ignorieren den stampfenden Beat aus knatternden Lautsprechern und verbreiten erotische Langeweile, ihre gleichgültigen Bewegungen eher eine Form von Hospitalismus. Sie tun ihm leid. Sieben Nächte in der Woche hüpfen sie in dieser schwülen Brühe herum. Glitzernde Schweißperlen tropfen von der Stirn auf die halbnackten Brüste und hinterlassen kleine feuchte Straßen auf brauner Haut. Der ausgeleierte Propeller unter der Decke quietscht noch eine Runde, dann erstirbt das Meisterwerk der Elektrotechnik. Jetzt steht die Luft endgültig im Club Zephyre. Der Mann denkt, dieser sogenannte Club ist das verkommenste Etablissement, das er je besucht hat. Und er fragt sich immer wieder , warum diese aus rohen Brettern, Bambusmatten und einem billigen Blechdach zusammengezimmerte Hütte auf Mactan Island unter Travellern als Geheimtipp gilt? Um mangels Alternativen bei einigen Flaschen San Miguel die Zeit totschlagen?Oder ist es die Anziehungskraft der Unglaublichsten unter allen Toiletten dieser Welt?

„ Sei vorsichtig, wenn du im Zephyre aufs Klo gehst!“

Mit diesem rätselhaften Satz hatte ihn ein Sitznachbar im Flieger von Hongkong nach Manila gewarnt. Und neugierig gemacht.

Oh, er war vorsichtig gewesen, vor einigen Wochen, als er sich der Tür mit den zwei Buchstaben (WC) näherte. Er hatte die erwartungsvollen Blicke der Einheimischen und das erwartungsvolle Grinsen ortskundiger Reisender im Nacken gespürt. Sehr langsam, beinahe wie in Zeitlupe, hatte er die Klinke heruntergedrückt und die Tür sanft angetippt. Sie öffnete sich knarrend. Er stand vor dem Nichts. Glotzte in eklige Finsternis. Das Nichts entpuppte sich nur als nur ein stinkender Busch. Ein kleiner Schritt weiter und er wäre in der Scheiße gelandet. Grölendes Gelächter hinter ihm und er lachte mit. Vor Erleichterung.

„Was willst du trinken?“

Er schreckt auf. Er ist gerade dabei in dieser stickigen Luft ein zunicken. Selbst die Moskitos ignorieren ihn, fliegen lustlos ihre Runden um verdreckte Glühbirnen. Jemand hat sich über ihn gebeugt. My Goodness, er starrt auf zwei unglaubliche Brüste, die prall wie Fußbälle vor seinem Gesicht tanzen.

„Cola Whiskey“, krächzt er erschrocken. Er schaut neugierig der Bedienung hinterher. Er hatte schon zu viele Abende, mangels Alternative, hier seine Zeit vertrödelt. Diese Attraktion ist neu.

„ Da tanzen die falschen Mädels auf der Bühne,“ denkt er. Die Bedienung, Künstlername Sheila, kommt zurück. Er kann kein Auge von ihr lassen. Bildhübsch, großer voller Mund, eine Wahnsinns Figur.

An diesem Abend ist nicht viel zu tun. Sheila setzt sich auf seinen Schoss, lupft das Oberteil leicht an und presst die Bälle in sein Gesicht. Er bekommt kaum Luft zum Atmen. Die Hände zucken, er will jetzt das pralle Leben spüren,. Traut sich aber nicht so richtig. Und als er daran denkt, dass am Ende seines Aufenthalts doch noch ein Highlight winken könnte, da ist es mit der fraulichen Herrlichkeit wieder vorbei. Sheila bleibt standhaft und ist nicht so willig („Nix Hotel!“) wie andere Girls in diesen philippinischen Bars. Gegen Ende der Nacht hat er neben einer stattlichen Rechnung nicht nur einen kräftigen Rausch, trotzdem eine Verabredung mit der attraktiven Bedienung perfekt gemacht. Heute Nachmittag vor dem Klub.

Dort erscheint er am nächsten Tag zu spät. Keine Sheila in Sicht. Noch eine längere Warteschleife, dann gibt er in der schwülen Hitze entnervt auf. Auch in der Bar wartet er in dieser Nacht vergeblich. Sie hat ihren freien Tag.

Am nächsten Abend ist sie wieder da, zeigt lachend ihre weißen Beißerchen und begrüß ihn mit einem sanften Kuss. Wie beim ersten Treffen setzt sie wieder auf seinen Schoß und haut ihm ihre Brüste um die Ohren. Die nächste Verabredung. Am nächsten Nachmittag. Wieder vor dem Klub.

Ich komme bestimmt, hatte sie versprochen. Er wartet vergebens. Keine Sheila. Jetzt reicht es, denkt der versetzte Galan und steuert enttäuscht die nächste Bar an.

No luck my friend?

Er klagt dem verständnisvollen Barmann sein Unglück. Der lächelt verschmitzt.

Warum versetzt mich diese Sheila immer wieder? Erst verabredet sie sich mit mir und dann kommt sie nicht. Und das schon zum zweiten Mal, denkt er, kippt einen Whiskey und sagt zum Mann hinter der Theke: „ Sie ist doch das schönste Mädchen auf der Insel!“

„Irrtum, Sir,“ sagt der Filipino, schüttelt sein schwarz gelocktes Haupt über so viel Unwissenheit. Und meint dann lakonisch:

„ Sie ist der schönste Kerl der Insel!“

„ Wieso?“ Stammelt der Mann.

„Take it easy,“ erklärt sein Gegenüber hinter der Bar gelassen:

„ Das Girl hat ein Schwänzchen und die Titten sind aus Plastik!“

 

(nächste Geschichte “ Sex auf Rezept“ demnächst in diesem Theater)

(43.) Deitschtum

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Sie hatten zu viele Bierchen intus und waren dabei den 2. Weltkrieg zu gewinnen ….. wenn Guderians Panzer genügend Sprit gehabt hätten, dann wäre Stalingrad nicht gefallen,  räsonierte der Glatzkopf mit dem sonnenverbrannten Ledergesicht und dem bayrischen Akzent. Beifälliges Nicken in der Runde.
Der unfreiwillige Lauscher am Nebentisch schüttelte sich vor Unbehagen. Er atmete tief durch und schluckte diverse spöttische Bemerkungen, die ihm auf der Zunge lagen, herunter. Dachte plötzlich erheitert darüber nach, dass er seit fünfzig Jahren in der Welt herum gereist war und dabei immer bewusst deutschen Lokalen und Restaurants aus dem Weg gegangen war wie ein Schwuler dem Hetero. Aber drei Dollar für ein Schnitzel mit Pommes! Gleich in der Nachbarschaft. Da hatte er dieses Mal nicht widerstehen können. Nach all den einheimischen Reis, Curry und Nudel – Gerichten eine verlockende Abwechselung. Die Strafe folgte auf dem Fuße. Als Dessert gab es deutsches Gedankengut.
Dabei fing alles harmlos an.
Nach den ersten Bierchen war Fußball Thema Nummer eins. Das übliche Geseiere, …… wenn der Ball drin gewesen wäre … hätte, vielleicht, aber und schließlich wäre immer der Trainer schuld..
Die dritte Runde und vierte Runde floss die durstigen Kehlen herunter, schließlich waren es am späten Abend noch über dreißig Grad.
Themenwechsel. Frauen! Eine Endlosschleife, Machogeschwafel aus dem Handbuch für Sextouristen.
Wie behandelt man Frauen, vor allem die Einheimischen?
„ Du musst ihnen zeigen, dass du der Boss bist, sonst tanzen sie dir auf der Nase herum.“ Erwin haute mit der Faust auf den Tisch. Die Kumpanen lachten dröhnend, war Erwin doch der Schlawiner Nummer eins in der Runde. Es wurde kolportiert, er wäre rund um den Globus fünf oder sechsmal verheiratet.
Dann zogen die Strategen vor den Biergläsern in den Krieg.  anscheinend das Lieblingsthema an deutschen Stammtischen. Die Schande des Vertrags von Versailles wurde aufgearbeitet. Auch den ersten Weltkrieg hätten wir gewonnen, wenn nicht ……
Irgendwie komisch, aber, …… ob über Fußball, Frauen oder Krieg schwadroniert wurde, sie verfielen immer in das gleiche Schema , ……… mit hätte, wenn und aber.
Gegen Mitternacht leuchteten die Sterne klar am Himmel, die Augen der Kumpel am Stammtisch dagegen glasiger, die Stimmen unverständlicher, die Aussagen aggressiver.
„Türken sind keine Menschen.“
„Neger auch nicht!“
„Juden sind auch nicht besser als die Moslems.“
„Alles Untermenschen,“ lallte Leopold, ein Österreicher, der den ganzen Abend, keinen Laut von sich gegeben hatte, jetzt gewaltig rülpste, die Stirn in Falten legte und nach längerem Überlegen hinzufügte, ……. „ scheiß Zigeuner.“
Hier schloss sich für den unfreiwilligen Lauscher der Kreis. Er fragte sich, warum verdammt noch mal, diese Knallköppe nicht in ihrem geliebtem Vaterland geblieben sind ……
(nächste Geschichte “ Sheila“ demnächst in diesem Theater)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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(42.)  Furchtbar fruchtbar

Quanta munani!“ Morgens, Mittags, manchmal Nachmittags und natürlich am Abend und Nachts säuselte Hatiuna ihrem Gemahl Severathano dieses Liebesgeflüster in die Ohren. Dem armen Mann wurde zunehmend Angst und Bange, vor allem, weil er auch immer praktisch tätig werden musste. Das kleine Kerlchen bestand nur noch aus Haut und Knochen. Und leider hatte sich bei der inflationären Liebestätigkeit kein Erfolg eingestellt. Das Weib wurde einfach nicht schwanger. Die Inka – Priester wenig erfreut, schließlich war es Pflicht für jeden Bewohners des Reiches Nachwuchs zu zeugen. König Atuhalpa brauche Soldaten, schließlich ständen Pizarros Spanier vor der Tür, argumentierten sie. Sie gaben dem verbitterten Severathano noch eine Chance, er musste beim Fruchtbarkeitsrennen rund um die Festung Sacsyhuaman nahe der Hauptstadt Cusco starten.

Die Regeln überschaubar. …. jeder Mann, der ein Weib im Rennen überholte, musste ihr beiliegen, bevor er weiterlaufen durfte. Harte Zeiten – harte Sitten, aber der Zweck heiligt die Mittel, mochten sich die Inka – Priester gedacht haben. Es war das höchste Gut dem Sonnengott Inti zu Gefallen zu sein.

Für die extrem eifersüchtige Hatiuna ein Unding. Sie würde es nicht zulassen, dass ihr geliebter Mann sich die Zunge aus dem Leib rennt und zwischendurch es mit anderen Schlampen treibt …., eher schneide ich ihm seine kleine unfruchtbare Lanze ab, schwor sie sich. Ein Besuch bei den Priestern verlief erfolglos, bis ein junger, gut aussehender Hilfspriester die verzweifelte Bittstellerin zu sich winkte. Er führte sie in eine Kammer, zog der verdutzten Frau ihren Poncho aus, die ließ sich willenlos auf ein weiches Lager ziehen und bevor sie überhaupt begriff wie ihr geschah, war der Akt schon vorbei.

Du wirst ein Kind gebären.“

Das sagte er freundlich und bedeckte bevor er sie verließ mit ihren Umhang aus Alpaca – Wolle den nackten Körper. Zurück in der engen Behausung fiel sie gleich über den ahnungslosen Gatten her.

Ich werde ein Kind gebären,“ verkündete sie anschließend vor Freude strahlend.

Ich spüre es. Du wirst kein Fruchtbarkeitsrennen machen müssen.“ 

Oh, bei allen Göttern, Severathano war plötzlich betrübt, fühlte sich betrogen, er hatte sich so darauf gefreut, es im Rennen mit anderen Weibern zu treiben …….

(nächste Geschichte „Deutschtum“ demnächst ín diesem Theater)

… ein neues Buch!

ein bisschen Eigenwerbung muss da schon sein,

ab 1. Juli als Kindle E – Book (4.90 US – Dollar )
und als Printbook (10.90 €) bei Amazon erhältlich
… auf 200 Seiten Schwarzer Humor  –
zum Anwärmen eine verrückte Geschichte

Der Fehler

Zum Ende des dritten Jahrtausends ist natürliche Fortpflanzung ein belächelter Anachronismus. Kein Russisches Roulette der Chromosomen mehr ( zwei Doofe zeugen einen Philosophen oder zwei Philosophen einen Doofen). Zeugung als Zufallsprinzip kann sich die Menschheit von heute nicht mehr leisten. Sex ist verboten, verpönt, wird nur von Randgruppen, den sogenannten Autonomen, heimlich praktiziert. Neue Generationen entstehen jetzt in Labors, gezeugt wird im Reagenzglas. Hieß es früher, die Wissenschaft sei der Feind der Religion, dann hat sich das umgekehrt. Die Wissenschaften sind zum wahren Halt einer prüden, konservativen Gesellschaft geworden. Die fünf großen Weltreligionen sind in Vergessenheit geraten, haben keine Bedeutung mehr!

Tom ist typischer Vertreter dieser neuen Lebewesen. Eltern, Geschwister, Verwandte? Nein, eine Familie, ein Zuhause kennt er nicht. Auch Besitz ein Fremdwort. Bett, Spind und der Gemeinschaftsraum. Das genügt. Zusammen mit anderen geklonten Kreaturen ist er in einer dieser öffentlichen Einrichtungen aufgewachsen, spartanische Heime, die es jetzt zu Tausenden gibt.

Tom wurde vor zwei Jahrzehnten nur zu einem einzigen Zweck konzipiert, einmal der stärkste Mann der Welt zu werden. Seine geistigen Fähigkeiten sind, vorsichtig formuliert, beschränkt. Tom lebt in einer Luftblase, einer Welt ohne Probleme, die Erzeuger in weißen Kitteln haben ihm im Labor gerade so viel Denkvermögen mitgegeben, damit er den beeindruckenden Körper mit den strammen Sehnen und gigantischen Muskelpaketen in Gang setzen kann. Er hat weiter nichts zu tun, als von Morgens bis Abends zentnerschwere Gewichte in die Luft stemmen!

In den Medien wird Tom schon als Samson oder Herkules der neuen Zeitrechnung gefeiert. Bei den letzten Weltspielen des dritten Jahrtausends treten wieder die besten Athleten in diversen Sportarten gegeneinander an. Der wahre Wettkampf aber findet schon lange nicht mehr in Hallen und Stadien statt, sondern beginnt Jahrzehnte früher in den wissenschaftlichen Instituten. Dort hantieren in den Laboratorien Tausende von Mitarbeitern in weißen Kitteln mit hunderttausend Reagenzgläsern. Der Bedarf an Fachidioten, äh, Entschuldigung, Fachkräften, natürlich nicht nur für den Sport, ist unglaublich. Die Nachfragen vor allem aus Industrie, Wissenschaft und für das Militär lassen sich kaum noch bewältigen.

Es ist eine immense Last, die Tom am Nachmittag gestemmt hat. 525 Kilogramm im Reißen. Einige Stunden später steht er wieder allein im unerbittlichen Licht der Strahler auf der Bühne. Er hat die Hantel für die zweite Disziplin Stoßen bereits geschultert. Seine kräftigen Hände, jeder Finger wie ein kleiner Ast, haben die Metallstange fixiert, noch einmal sich konzentrieren, noch einmal ein Ausfallschritt, noch einmal das Gewicht nach oben wuchten und für drei Sekunden halten, danach wird er sich als der stärkste Mensch der Welt feiern lassen können.

Tom ’s stumpfer Blick fällt unter das Hallendach, auf die Anzeigentafel mit seinem Konterfei, dort steht auch in großen Lettern das Gewicht geschrieben, dass er gerade zur Strecke bringen will, schweift ziellos weiter über die vollbesetzten Ränge der Arena, an grauen Gesichtslosen Gesichtern vorbei und bleibt zufällig an einer Kreatur hängen, die nur wenige Meter vor ihm unten in der ersten Reihe sitzt.

Nana, eher winzig als klein, schlank und biegsam wie eine Gerte, ausschließlich für die Turnwettbewerbe kreiert, erwidert überrascht den Blick des kolossalen Mannes mit der Figur eines griechischen Gottes oben auf der Bühne. Ihrer beider Augen lassen sich nicht mehr los, saugen sich ineinander, verschmelzen, die Umgebung, die vielen Tausend neugierig, erwartungsvoll glotzenden Zuschauer, nehmen die beiden nicht mehr wahr. Sie sind ganz allein, gefunden und verloren in ihrer eigenen Welt ……….

die kleine Turnerin steht auf, langsam, löst mit rascher Handbewegung den Knoten im Nacken, die langen schwarzen Haare breiten sich fächerartig über ihren schmalen Schultern aus; wie eine Suchende im Tunnel nähert sie sich mit kleinen Schritten trippelnd und bleibt erst einen halben Meter zögernd vor der Heber Bühne stehen. Tom verliert beim Anblick dieses grazilen Persönchens die Kontrolle über seinen Körper, die Hände kraftlos, die mächtige Muskulatur erschlafft, die schwere Hantel mit 600 Kilogramm Gewicht rutscht von den Schultern, fällt mit Getöse zu Boden.

Dagegen zeichnet sich in der Mitte seines Körpers, zwischen den Schenkeln unter dem dünnen, eng anliegenden Dress, eine Ausbuchtung ab, eine Schwellung , die groß, größer, ja riesig wird …….

Peinliche Stille. Geraune und ungläubiges Staunen in der Halle. Die erwartungsvolle Nation vor den Bildschirmen fassungslos. Entsetzen weltweit und in einem Institut im Bayrischen Wald herrscht Ausnahmezustand. Hinter vorgehaltenen Händen wird geflüstert, das Unwort mit großem E., das offiziell niemand mehr in den Mund nehmen darf: Erektion!

Was ist da schief gelaufen?

Der zuständige Direktor im Laboratorium handelt sofort. Bevor der Fehler gefunden wird und eine endgültige Analyse vorliegt, werden die verantwortlichen Wissenschaftler umgehend degradiert. Ab sofort dürfen sie nur noch Kühe, Ziegen, Hühner und Schweine klonen ……..

(demnächst wieder Geschichten aus diewareleben)

 

(41.)  Drohnen

Henner Gramsch  15.Juli

Des Menschen Erfindungsgabe, sein Drang nach etwas Neuem
und bei der Suche nach immer mehr phantastischen Möglichkeiten
scheint es für ihn kaum Limits zu geben. Leider haben die großen
Ideen und Erfindungen ihre Schattenseiten. Sie werden missbraucht.
Kriminelle Energie stärker als Sonnenenergie … haha
Und da zeigt sich wieder: Der natürliche Feind des Menschen
ist der Mensch! Ohne Einsteins Relativitätstheorie keine
Atombombe, ohne Internet und Mobilphones kein Überwachungsstaat.
Und die Zukunft?
Sie gehört jetzt Robotern und Drohnen.
Früher gingen Opa und Enkel in den Park und ließen
Drachen steigen. Wir erinnern uns vage, das waren diese selbst
gebauten bunten Papierflieger mit einem Seil gesichert. War das
ein Spaß.
Heute schwirren merkwürdige Flugobjekte über
öffentlichen Plätzen, eine Invasion der Drohnen ….
und die Opas dieser Welt schütteln staunend ihre grauen Köpfe.
Diese Entwicklung scheint nicht aufzuhalten.

Einkäufe vom Supermarkt nach Hause schleppen? Unsinn!
Sie kommen per Transport – Drohne auf Bestellung durchs
Küchenfenster …

…. für einige Berufsgruppen heißt es umdenken, Jimmy zum Beispiel
ist Einbrecher. Und das seit 30 Jahren. Doch das Berufsbild hat sich
verändert. Mit Traditionen brechen? Nicht einfach für einen Dieb, der
seinen Lebensunterhalt noch mit Stemmeisen, Nachschlüsseln und
Schweißgerät verdiente. Heute erledigt die Drohne beinahe
alles, Schmuck, Geld oder Safes, sie spürt alles auf, Jimmy
muss nur im richtigen Moment auf die richtigen Knöpfe
drücken …

In Wanne – Eickel wurde ein kopulierendes Paar eines Nachts
durch ein merkwürdiges Summen und Klicken gestört, eine Drohne
hatte sich durch das weit offene Fenster ins Schlafzimmer verirrt
oder sie war einfach nur neugierig ….. und kreiste über dem Bett.
Der anonyme Besitzer des Flugobjektes freute sich später über
gestochen scharfe Aufnahmen …

Und wer Drohnen fürchtet und sich dagegen wehren will, eine
Firma in Lüdenscheid bietet bereits ein Abschuss – Gerät an, übrigens
in Nordkorea entwickelt, eine Mini – Rakete für den Hausgebrauch …..

(nächste Geschichte „Furchtbar fruchtbar“ demnächst in diesem Theater)

 

 

(40.) Das Verhör

Die Tür flog krachend aus dem Rahmen. Ein halbes Dutzend vermummter Gestalten stürzte ins Zimmer und umringte die nackten Gestalten, die wie leblos auf dem breiten Bett lagen. Sie brüllten unverständliche Worte, fuchtelten nervös mit ihren Handfeuerwaffen herum, packten auf Befehl den Mann und warfen ihn rücksichtslos vom Bett auf den Fußboden, fesselten seine Hände mit Handschellen auf dem Rücken. Während die offensichtlichen Hüter des Gesetzes den Mann hoch rissen und auf die Füße stellen wollten, registrierte dieser zum ersten Mal seit er aus der Bewusstlosigkeit aufwachte, die chaotischen Zustände und dass etwas Merkwürdiges mit ihm geschah. Er blickte überrascht auf diese fremde Frau neben ihm im Bett, ihre blutigen blonden Haare fächerförmig auf dem Kopfkissen ausgebreitet, die aufgerissenen toten Augen, die blasse schneeweiße Haut, die weit geöffneten Schenkel. Es ekelte ihn. Ihm wurde so übel, dass er sich präzise auf die dunkelblauen Hosen des am nächsten stehenden Polizisten übergab. Als die Schergen des Staates ihn aus dem Raum schleiften, die Treppe hinunter, verlor er wieder das Bewusstsein.

Einige Stunden später. Der schlichte Stuhl aus Holz war unbequem. Hart. Der Mann hatte Schmerzen. Die Handschellen waren entfernt, aber er schien jeden einzelnen Knochen des Körpers zu spüren und es gab verdammt viele davon. In seinem Kopf dröhnte und rauschte es, als würde er mitten in einem Wasserfall knien. Er blickte sich langsam neugierig um. Der Raum war spartanisch, kahl bis auf den Schemel auf dem er saß, und zwei weitere Stühle hinter einem Schreibtisch mit einer billigen grünen imitierten Lederunterlage. Darauf standen ein Mikrofon und das Aufnahmegerät, ein älteres Modell. Die gegenüberliegende Wand wurde von einem viel zu großen Spiegel dominiert. Natürlich, er hatte schon viele Kriminalfilme gesehen, konnte man das Verhör vom Nebenraum aus verfolgen. Daneben eine schmale Tür, die sich in diesem Augenblick öffnete. Zwei Männer betraten den Raum. Der Ältere rückte sich den Stuhl zurecht, dieser hatte wenigstens bequemere Armlehnen und setzte sich. Der Jüngere blieb im Hintergrund, lehnte sich mit dem Rücken gegen die rechte Wand, die Arme vor der Brust verschränkt.
Sie betrachteten ihn aufmerksam, so, als würden sie einen
Affen im Käfig studieren.
„ Wie geht es ihnen?“
Fragte der Ältere nach einer Weile. Der vermeintliche Delinquent verzog das Gesicht und zuckte mit der rechten Schulter.
„Ich möchte eine kalte Cola, mit Eis und Zitrone ……. Aber wenn euer Service zu wünschen übrig lässt, dann tut es auch ein Glas kühles Wasser.“
Seine Stimme klang rau, wie mit Schmirgelpapier bearbeitet.
Die Männer schauten sich wenig belustigt an, als hätten sie
einen durchschnittlichen Witz mit einer lahmen Pointe gehört.
„ Service, he?“
Der Ältere gackerte schrill.
„ Wenn du ein braver Junge bist und uns erzählst, was du
mit der Nutte angestellt hast und warum, dann spendiere
ich dir sogar ein Filetsteak. Mit Pilzen und Zwiebeln drauf!“
Der Ältere blickte den Jüngeren ironisch an.
„Henkersmahlzeit“, sagte dieser kichernd.
„ Nee, so weit sind wir noch nicht. Aber wenn er schnell gesteht, dann kommen wir wenigstens alle zeitig nach Hause, Herr Kollege.“
„ Warum bin ich hier?“
Sein Krächzen klang so erbärmlich, dass der ältere Beamte
aufstand und den Raum verließ. Er kam mit einem halb gefüllten Pappbecher mit Leitungswasser zurück. Der mutmaßliche Täter schluckte hastig die lauwarme Brühe hinunter.
„ So,“ der Ältere nahm den dünnen Ordner, den er unter dem
angelegten Arm hielt und legte ihn auf den Tisch.
„ Hendrik Haier, 44 Jahre alt, Finanzberater, selbstständig, nicht verheiratet. Nicht vorbestraft. Stimmt das?“
Der Mann nickte. Er fühlte sich jetzt besser. Das Leitungswasser hatte allerdings nach Chemie geschmeckt, war aber kühl und erfrischend gewesen.
„ Ihnen wird vorgeworfen in der Nacht vom 19. zum 20. August in deren Wohnung die 32jährige Prostituierte Lara Yalzin aus der Ukraine erst vergewaltigt, dann ermordet, das heißt brutal geschlagen und erwürgt, zu haben.
Der Ältere legte eine bedeutsame Pause ein.
„ Warum?. Sie sehen nicht wie eine Bestie aus, sind anscheinend ein intelligenter, gebildeter Mann. Warum haben sie das getan? Den Kopf beim Sexspiel verloren? Drogen?Kann passieren. Da sind sie nicht der Erste.“
Der Befragte ignorierte die Frage, er dachte nur daran, während sein Kopf immer klarer wurde und der Verstand wieder wie gewohnt zu arbeiten begann, dass diese Lara oder wie auch immer der Name der Frau lautete, verdammt hübsch gewesen sein musste. Das hatte er sogar in den wenigen Sekunden, die er die Tote auf dem Bett liegend gesehen hatte, erkannt. Welcher normale Mann würde eine Frau vergewaltigen, die er freiwillig, okay, fast freiwillig, für Geld haben konnte? Er stand kurz vor einem Lachanfall, den er aber mühsam unterdrückte. Ausgerechnet ich? Komische Geschichte, er konnte sich lediglich daran erinnern, dass er am späten Abend in den Armen ……
„Nun reden sie schon …….“
Dieses monotone Blablabla des Verhörs lullte ihn ein wie ein nächtlicher Tropenregen. Die beiden Beamten taten weiter ihre Pflicht, das übliche Rollenspiel, der Gute und der Böse. Sie kannten es nicht anders und bombardierten ihn immer wieder mit stereotypen Fragen. Warum? Wieso? Weshalb? Diese drangen aber nicht wirklich bis zu ihm vor. Stattdessen fragte er sich wiederholt, ob er sie ihnen wirklich erzählen sollte, ….. seine ganz eigene kurze Geschichte? Trotz der Schmerzen, irgendwie genoss er auch die Situation ………
Eine der Worthülsen, die permanent an sein Ohr drangen, lautete Kooperation. Die zweite hörte sich wahnsinnig bedrohlich an, zwanzig Jahre Knast und Sicherheitsverwahrung würden ihm wegen Mordes und Vergewaltigung blühen. Und alles, einfach alles, Beweise, Indizien sprächen gegen ihn. Er musste zum zweiten Mal innerlich grinsen. Könnte ganz amüsant werden, ihr Ahnungslosen. Wenn ihm bloß nicht der Rücken so zwicken würde. Wer hatte bloß dieses beschissene Drehbuch geschrieben? Er kam sich vor wie in einem schlechten Film, fehlte nur noch ….
„ Wenn sie uns nicht helfen, können wir ihnen auch nicht helfen ….“
Oh, scheiße, genau auf diesen Spruch hatte er noch gewartet.

„ Jetzt hören sie mal auf mit diesem blöden Gesabbel auf, das ist ja unerträglich,“ sagte er plötzlich mit viel zu lauter Stimme, dass die Beamten ihn verdutzt anstarrten. Er hatte zu vor auf keine ihrer Fragen geantwortet. Jetzt deutete sein Zeigefinger auf das Aufnahmegerät.
„Schalten sie doch das Ding da an und unterbrechen sie mich nicht. Ich muss mich konzentrieren. Ich werde ihnen die ganze Geschichte erzählen. Okay?“
Die Beamten blickten sich an, dachten erleichtert …. na endlich, nickten, der Ältere rückte das Mikrofon erwartungsvoll in die richtige Position und drückte dreimal die abgenutzte Taste mit der Aufschrift Aufnahme, bevor sie gnädig einrastete.
Der Verdächtige nahm noch einen Schluck Wasser, stand langsam auf, machte den Reißverschluss seiner Kordhose auf und holte einen gut entwickelten Penis aus der Hose. Bevor die Polizisten auch nur reagieren konnten, räusperte er sich und sagte:
„ Ich mache es kurz: dieser Pimmel hier hat noch nie eine Frau gefickt. Seit meinem vierzehnten Lebensjahr weiß ich, dass ich schwul bin!“
……….
….und lebe es auch aus!“

Er schwieg abrupt. Schaute die verdutzten Beamten an, beugte sich nach vorne und drückte auf die Aus Taste des Recorders.
Bedrohliche Stille.
Das Gesicht des älteren Beamten verfärbte sich, lief langsam rot an. Er war Choleriker. Der Ausbruch des Vulkans stand kurz bevor.
„ Das ist alles?. Willst du uns verarschen?“
Der Jüngere kam seinem Kollegen zu vor.
„ Das ist alles, meine Herren“, sagte der Verdächtige, fuhr aber fort:
„ Zu ihrer Information: Ein Schwuler geht nicht zu einer Hure. Er pflegt auch nicht zu vergewaltigen und zu töten. Wenigstens keine Frau. Ich kenne diese Frau nicht und wie ich in dieses Zimmer, in dieses Bett geraten bin, entzieht sich meiner Kenntnis. Ein kleiner Tipp: lassen sie mich, vor allem mein Blut untersuchen. Irgendeine betäubende Substanz muss doch dort zu finden sein. Im übrigen habe ich die Nacht, so weit ich mich erinnern kann in der gemeinsamen Wohnung mit meinem Freund, Partner und Liebhaber Robert verbracht. Später mischte noch Olaf, unser Nachbar, bei der Party aktiv mit. Fragen sie bei den Herren nach!“

Die Ergebnisse der folgenden medizinischen Untersuchungen waren ein Schock für alle Beteiligten. Im Blut des Verdächtigen Hendrik H. wurden keine betäubenden Substanzen gefunden. Dagegen hatte er nachweislich Geschlechtsverkehr mit der ermordeten Prostituierten gehabt. Aber in der selben Nacht auch mit seinem Lebenspartner Robert und Nachbar Olaf. Was anhand von Spermien und DNA eindeutig nachzuweisen war. Sie konnten bezeugen, dass sie sich die ganze Nacht zu dritt in der Wohnung vergnügt hätten. Erst am frühen Morgen hatte Robert entdeckt, dass der Platz neben ihm im Bett leer gewesen war. Die Ermittler standen vor einem Rätsel. Sie konnten einerseits beweisen, dass Hendrik K. die Prostituierte Lara ermordet hatte. Andererseits war dessen Alibi nicht zu erschüttern.
Die Medien schlachteten diesen spektakulären Fall gnadenlos aus. Verrückte Spekulationen machten die Runde. Verschiedene Gutachter, Ärzte und Psychologe wurden herangezogen. Die Verteidigung berief sich auf Professor Martin F. , Soziologe und überzeugter Anhänger der Parapsychologie. Er erklärte nach mehreren Sitzungen mit dem Verdächtigen, dass es sich in diesem Fall um ein typisches Beispiel für eine Seelenprojektion, auch Out –of – Body- Erfahrung genannt, handele. Hendrik H. hätte sich in der Mordnacht von seinem Körper gelöst und die Prostituierte Lara K. in deren Apartment aufgesucht. Nach seiner Erfahrung wäre dies auch kein Zufall gewesen. Er würde Hendrik H. Behauptung, dass dieser die Prostituierte noch nie gesehen, bzw. getroffen hätte, durchaus Glauben schenken. Aber das menschliche Unterbewusstsein nimmt voneinander unabhängige Geschehnisse auf und ordnet sie dann als Zufälle ein. Dabei werden viele andere Erlebnisse vergessen, die in keinem kausalen Zusammenhang dazu stehen. Der Grund, dass der Angeklagte nicht wie bei Astral Reisen üblich in seinen Körper zurückgekehrt sei, wäre seiner physischen Erschöpfung zuzuschreiben. Er hätte schließlich mit zwei Männern und einer Frau Sex gehabt.
Für Hendrik H. wäre es übrigens nicht die erste Out – of – Body – Erfahrung gewesen. Er konnte sich unter Hypnose auch an ein bemerkenswertes früheres sexuelles Erlebnis erinnern.

„ Als ich Mitte zwanzig Jahre alt war lebte ich einige Zeit in Paris. Mit einer Zufallsbekanntschaft lag ich im Appartement auf dem Bett. Wir umarmten ins leidenschaftlich. Plötzlich bemerkte ich wie ich mich von meinem Körper löste. Ich saß daraufhin im Sessel und schaute zwei Männern auf dem Bett beim Liebesspiel zu. Einer der Männer war ich selbst!“

Justitia war überfordert. Das Unerklärliche war nicht erklärbar. Der Richter erklärte, er könne nicht einen Mann gleichzeitig schuldig und unschuldig sprechen. Auch eine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung wurde verworfen. Der Mann erwies sich als absolut normal. So die Gutachter unisono.
Hendrik H. wurde frei gesprochen.

(nächste Geschichte “ Drohnen“ demnächst in diesem Theater)

(39.) Säuberung

Pünktlich um Null Uhr trat das neue Gesetz in Kraft. Was kaum einer ahnte, die Ahnungslosen sind immer in der Überzahl, es sollte die Weltbevölkerung um fast die Hälfte reduzieren. Der Herrscher der Welt, nennen wir ihn Big Brother, George Orwell wird uns die Ausleihe nicht übel nehmen, ließ Mobilphones, Smartphones + den übrigen elektronischen Plunder verbieten. Die Menschheit sollte sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, statt sich dem Firlefanz hinzugeben.
Verbale Kommunikation heißt ab sofort das erste Gebot einer neuen Ordnung ….

In Peking griff Mai Li wie jeden Morgen zum Mobil, um mit ihren Freundinnen zu tratschen. Tot! Hilflos stand die kleine Chinesin in ihrem Zimmerchen, die Tränen liefen die prallen Backen herunter ….

In Bangkok wollte Ning die heißen Bilder der letzten Partynacht in Facebook stellen. Nix Facebook! Tot! Das Gefühl der Einsamkeit kroch wie eine kalte Hand ihren hübschen Körper hoch … gestern noch ein paar tausend Freunde weltweit, plötzlich ganz allein …

In Berlin Ausnahmezustand in der U 2. Die Leute nervös, fahrige Bewegungen, fuchteln sinnlos mit den Händen in der Gegend herum, bohren sinnlos in der Nase .. Erste Pöbeleien, Schlägereien….., der Frust muss raus

In Moskau hämmerte Iwan vergeblich auf sein Phone ein. Dawai, Dawai. Nichts ging. Tot! Der Mafiaboss wollte vor dem Frühstück zwei Morde in Auftrag geben … Verräter, es sollte als Unfall getarnt werden …er pfefferte das teure Gerät wütend gegen die Wand …. muss man jetzt wieder alles selbst erledigen? Wo ist die verdammte Knarre?

In Washington wollte ein Hacker frohen Mutes sein Tagwerk verrichten. Mitnichten. Tot! … als pragmatischer Mensch kapierte er sofort, dass er in diesem Moment wie viele andere arbeitslos war. Orangen pflücken in Devil County wäre eine Alternative …..

So ging es Millionen, nein Milliarden Kreaturen. Für diese war das Leben nicht mehr lebenswert. Massen – Selbstmorde weltweit, gerade die jüngeren Generationen waren betroffen …

In seiner Hochsicherheits – Villa (auf neuesten technischen Stand) saß Big Brother und grinste diabolisch. War er nicht
cleverer und raffinierter, als alle seine Vorgänger gewesen. Niemand konnte ihn auf eine Stufe mit Massenmördern wie Nero, Dschingis Khan, Hitler, Stalin, Pol Pot + + + + + stellen. Keine Verhaftungen, Urteile, Folter, Erschießungen oder rollende Köpfe!
Nein, eine Gesetzesänderung, ein einziger Federstrich, hatte ausgereicht, dass die Bevölkerung des Planeten sich fast um die Hälfte eliminierte …..
er freute sich wie ein kleiner Junge, es sollte der Beginn einer neuen Weltordnung werden …..

(nächste Geschichte „Das Verhör“ demnächst in diesem Theater)

(38.) Orientierungslos

Um die Wahrheit zu sagen, Tabitha war hässlich wie die Nacht. Sie gehörte zu den Frauen, die sich von der Natur betrogen fühlen, und bei denen bestimmte Männer an Theken davon schwadronieren, ihr beim Sex unbedingt eine Zeitung über das Gesicht legen zu müssen. Nicht nur das Tabitha schon unansehnlich geboren wurde, es ist überliefert, dass die Hebamme bei ihrem Anblick erschrocken das Baby vom Wickeltisch und auf den Kopf fallen ließ. Später verunstaltete ein schwerer Auffahrunfall das Gesicht noch mehr. Die Sehfähigkeit war seit diesem Tag stark begrenzt, nur zu wenigen Prozent auf das rechte Auge beschränkt. Das linke war aus Glas. In Anbetracht ihres stark ausgeprägten Sexualtriebes, der Arzt sprach von Nymphomanie, stellte diese Hässlichkeit ein gewisses Problem dar. Sie war es irgendwann leid gewesen, sich in heruntergekommenen Kneipen und Bars von betrunkenen, zu gekifften Kerlen abschleppen zu lassen, um dann am nächsten Tag ein entsetztes „Oh Gott, wie siehst du denn aus“ oder „ arbeitest du in der Geisterbahn?“ zu hören. Um ihre Lust zu stillen, ohne sich anschließend jedes Mal beleidigen zu lassen, suchte sie seit einiger Zeit zwei bis drei Mal in der Woche einen gewissen Klub in der nächst gelegenen Großstadt auf. Dessen Attraktion war der sogenannte Darkroom. Hier traf sich eine bestimmte Klientel von wenig bekleideten Männern und Frauen, die nur das Eine wollten …… und dabei inkognito zu bleiben.
Da Tabitha nur über ein Sehvermögen von weniger als zehn Prozent verfügte, machte ihr die Finsternis in dieser Lasterhöhle nichts aus, im Gegenteil, Tast und Geruchssinn waren um so mehr ausgeprägt und so kam sie hier richtig auf ihre Kosten. Die Redensart hässlich wie die Nacht erfuhr in diesem Zusammenhang auch eine völlig neue Bedeutung.
Aber eine bestimmte Nacht veränderte dann alles. Einer ihrer zufälligen Liebhaber, wenn dieser Begriff überhaupt zulässig ist, erwies sich leider bei seinen nervösen Versuchen ihr näher zu kommen, dermaßen ungeschickt, dass es Tabitha beinahe das Leben gekostet hätte. Sie wurde mit Hirnblutung ins Krankenhaus transportiert und nur durch eine Notoperation gerettet.
Selbst der sonst so abgebrühte Chirurg in der Unfallaufnahme war geschockt. So etwas wäre ihm in seiner Zeit als Mediziner noch nie vorgekommen und er gab später kopfschüttelnd zu Protokoll, dass er das Glasauge nur mit größter Mühe aus der hinteren Augenhöhle herausoperieren konnte. Ja, es hätte schon fast im Vorderhirn gesessen. Unglaublich, sagte der Doktor, aber der Verursacher hätte sich wohl beim Versuch oralen Sex zu praktizieren völlig verfahren und wäre stattdessen in der Augenhöhle gelandet.
Und so etwas in Zeiten von Navigationssystemen ……….

(nächste Geschichte „Säuberung“ demnächst in diesem Theater)